Wie funktioniert GPS Teil 5 - GALILEO
Der italienische Astronom Galileo Galilei (1564-1642) entdeckte die vier größten Monde des Jupiters und gilt allgemein als der Vater der modernen Astronomie. Es ist daher wenig überraschend, dass die europäische Antwort auf GPS »GALILEO« heißt.
Was ist GALILEO?
GALILEO ist das neue Satellitensystem, das auf Initiative der Europäischen Union, der Europäischen Weltraumbehörde und der europäischen Industrie entwickelt wird. Es bietet eine Alternative zum bestehenden GPS-System, das von den USA betrieben wird und dessen Funktion jederzeit eingeschränkt oder deaktiviert werden kann, wenn die US-Regierung dies für notwendig erachtet (z. B. in Kriegszeiten).
Durch GALILEO werden die EU sowie andere Länder wie China und Indien, die ebenfalls in das Projekt investiert haben, nicht mehr auf das GPS-System angewiesen sein. Aufgrund der präziseren Zeitmessung bietet GALILEO eine höhere Genauigkeit sowie eine bessere Abdeckung unter ungünstigen Bedingungen sowie in entlegenen Regionen. Insbesondere die nordeuropäischen Länder werden davon profitieren, da GPS in diesen Ländern nicht so gut funktioniert. In bestimmten Aspekten wird GALILEO vollständig mit GPS kompatibel sein und mit diesem System zusammenarbeiten.
Das Projekt wurde 2003 aus der Taufe gehoben, und ›Giove-A‹, der erste der 30 GALILEO-Satelliten, wurde am 28. Dezember 2005 von einer Station in Kasachstan gestartet. Die weiteren 29 Satelliten werden ab 2006 schrittweise in den Orbit gebracht. GALILEO soll im Jahr 2008 den Regelbetrieb aufnehmen. Die Kosten des Projekts werden gegenwärtig auf 3,4 Milliarden Euro geschätzt.
erwendung von GALILEO
Während das GPS-System vom Militär zur militärischen Nutzung entwickelt wurde, ist GALILEO vornehmlich zur Nutzung durch die Zivilbevölkerung und die Wirtschaft bestimmt. Im Unterschied zu GPS wird es nicht nur kostenlose, sondern auch kommerzielle Anwendungen mit unterschiedlichen Dienst- und Zugriffsstufen geben:
| Offener Dienst (Open Service, OS) | Unverschlüsselte, kostenlose Signale für den Massenmarkt. Haupteinsatzfeld: einfache Anwendungen zur Navigation und Zeitbestimmung | |||
| Kommerzieller Dienst (Commercial Service, CS) | Zusätzlich zum OS bieten zwei verschlüsselte Signale eine höhere Datenübertragungsrate und dadurch eine höhere Leistung. Für professionelle Anwendungen werden die CS-Anbieter eine kostenpflichtige Garantie für die Dienstqualität (SLA, Service Level) bieten | |||
| Sicherheitskritischer Dienst (Safety of Life Service, SoL) | Bei sicherheitskritischen Anwendungen wie in der Luftfahrt werden Warnhinweise ausgegeben, wenn das System eine bestimmte Genauigkeit unterschreitet. SoL wird eine Dienstqualitätsgarantie (SLA, Service Level) bieten | |||
| Öffentlicher regulierter Dienst (Public Regulated Service, PRS) | Verschlüsselter Dienst für öffentliche Einrichtungen (z. B. solche mit sicherheitsrelevanten Aufgaben), die auf eine garantierte Dienstkontinuität, Unempfindlichkeit gegenüber Stör- und Täuschungssignalen und einen kontrollierten Zugriff angewiesen sind. PRS wird voraussichtlich auch gegen den Schmuggel und die illegale Einwanderung eingesetzt werden | |||
| Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue Service, SAR) | Dieser Dienst unterstützt Hilfs- und Rettungsaktionen; mit Feedback-Signalen kann bestätigt werden, dass Hilfe unterwegs ist |
Die Kosten von GALILEO werden größtenteils von der Wirtschaft getragen, dem künftigen Hauptnutznießer des Systems.
Die Vorteile von GALILEO
Durch die Integration mit anderen Technologien wird GALILEO zahlreiche weitere Vorteile bieten, darunter eine verbesserte Luftverkehrssteuerung, zuverlässigere Positionsdaten im Eisenbahn- und Speditionsverkehr sowie eine umfassendere Flottenverwaltung und Fahrzeugunterstützung für Notfalldienste. Hinzu kommt die Möglichkeit, den Transport einzelner hochwertiger oder gefährlicher Güter zu verfolgen oder komplexe Transportnetze zu überwachen.
Und das ist erst der Anfang. Mit der Zeit werden sicherlich noch weitere Anwendungen konzipiert und entwickelt.
So funktioniert GALILEO
Das GALILEO-System wird aus 30 Satelliten bestehen (27 aktive und 3 Reservesatelliten), die auf drei Umlaufbahnen in einer Höhe von mehr als 23.000 km über der Erde kreisen werden. Die 30 Satelliten verleihen dem System nicht nur eine außerordentliche Genauigkeit; sie bieten den Nutzern zudem die Möglichkeit, genau festzustellen, wie präzise die ausgestrahlten Signale sind – in sicherheitskritischen Situationen eine lebenswichtige Information.
GALILEO wird seinen Hauptsitz in Toulouse und London haben; die beiden Kontrollzentren werden sich in München und Fucine (bei Rom) befinden. Zur Überprüfung der empfangenen Informationen werden 20 Sensorstationen Kontakt zu den Kontrollzentren halten, und die notwendigen Korrekturen werden über 15 Uplink-Stationen an die Satelliten gesendet.
GALILEO ermöglicht auch die bidirektionale Kommunikation zwischen den Satelliten und den Kontrollstationen. Dadurch lassen sich empfangene Notfallsignale weiterleiten; die Position des Nutzers kann festgestellt und eine Nachricht an ihn gesendet werden, die ihn informiert, dass Hilfe unterwegs ist.

| 1. Navigationsanwender2. 30 GALILEO-Satelliten
3. Positionsinformationen 4. 20 GALILEO-Messstationen 5. Leistungsdaten |
6. Korrektur7. 2 GALILEO-Kontrollzentren
8. Korrekturen und Leistungsdaten 9. 15 Uplink-Stationen 10. Korrekturen und Leistungsdaten |